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Heilbronn feiert 200 Jahre Käthchen

Mit zahlreichen Veranstaltungen und einem eigens von Schülerinnen und Schülern aus der Grafikklasse des Kolping-Bildungswerks gestalteten Logo feiert Heilbronn in diesem Jahr sein Käthchen.

Übersicht über die Veranstaltungen zum Käthchen-Jubiläum 2010

Vor 200 Jahren wurde im März 1810 Heinrich von Kleists „großes historisches Ritterschauspiel“, „Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerprobe“, im Wiener Theater an der Wien uraufgeführt. Zudem erschien im selben Jahr auch der Erstdruck des kompletten Stücks. Als besondere Höhepunkte sind erstmals seit langem wieder eine eigene Inszenierung des „Käthchens“ des Theaters Heilbronn zu sehen, ein „Best of Käthchen“ geplant sowie eine musikalische Kleist-Uraufführung zu hören.

„Das Käthchen“ als literarischer Glücksfall für Heilbronn

„Kleists ‚Käthchen’ ist für Heilbronn ein Glücksfall, denn das Stück hat unsere Stadt in die Weltliteratur eingeführt“, freut sich Bürgermeister Harry Mergel. „Nicht zuletzt da Kleists Schauspiele nach wie vor zu den meistgespielten Stücken auf deutschen Bühnen gehören, möchten wir das 200. Jubiläum der Uraufführung seines „Käthchen von Heilbronn“ zum Anlass nehmen, die verschiedenen Facetten der Beziehung zwischen der literarischen Figur und unserer Stadt in einem Veranstaltungsreigen näher zu beleuchten“, erläutert Mergel die Idee des breitgefächerten Programms.

Neben den städtischen Kulturinstituten Stadtbibliothek, Kleist-Archiv Sembdner, Stadtarchiv, den Städtischen Museen und dem Theater Heilbronn beteiligen sich die Volkshochschule, das Württembergische Kammerorchester und das Heilbronner Sinfonie Orchester mit verschiedenen Veranstaltungen.

Die Projekte im einzelnen:

Theater Heilbronn: „Käthchen“-Inszenierung, „Best of“ und szenische Lesung

Einen besonderen Höhepunkt verspricht das Theater Heilbronn mit einer „Käthchen“-Inszenierung. „Alejandro Quintana interpretiert diesen Klassiker neu“, macht Intendant Axel Vornam auf die Aufführung neugierig, die am Donnerstag, 15. Juli, im Großen Haus des Theaters Premiere feiert.

Schon am Mittwoch, 7. April, gibt es in den Kammerspielen die von Stephanie Paschke eingerichtete szenische Lesung „Ein anderer K.“ nach dem Hörspiel von Günter Kunert. Und vom Montag, 28. Juni, bis Donnerstag, 1. Juli, lädt das Theater Heilbronn unter dem Titel „Best of Käthchen“ zu einem Käthchenwettbewerb für Theaterbegeisterte ins Komödienhaus ein.

Gesucht wird die originellste Inszenierung, der eigenwilligste Zugriff, die kreativste Interpretation, die mutigste Umsetzung. Von Schauspiel über Pantomime bis Grusical, von Rap bis Tanzperformance, Objekttheater, Videoclip oder Soap; alles ist möglich, erlaubt, erwünscht. Ziel ist es, den Text auf eine ganz neue Weise erlebbar zu machen, ihn mit heutigen Lebenserfahrungen zu durchdringen, mit eigenen Wünschen und Träumen in Beziehung zu setzen, und ihn auf diese Weise lebendig zu machen. Beteiligen kann sich jede Theatergruppe, Schulklasse, Enthusiastengemeinschaft mit einem 20-minütigen Beitrag, der den reichen Stoff des Stückes für junge Leute interessant macht.

Bewerbungen nimmt das Theater bis zum 1. April entgegen. Eingereicht werden können Ideenskizzen, Probenfotos, Videos, Exposés oder andere aussagekräftigen Materialien unter theaterpaedagogik@theaterhn.de.

Kleist-Archiv Sembdner: Ausstellung und Vorträge

In Kooperation mit der Volkshochschule Heilbronn eröffnet das Kleist-Archiv Sembdner am Dienstag, 23. Februar, um 19 Uhr in der VHS im Deutschhof eine große Ausstellung „200 Jahre Käthchen von Heilbronn“.

„Die Ausstellung zeigt“, so Günther Emig, Direktor des Kleist-Archiv Sembdner, „Zeugnisse zu Werk- und Wirkungsgeschichte aus den letzten 200 Jahren.“ Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis Samstag, 10. April, montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr sowie während der zusätzlichen Öffnungszeiten der Volkshochschule zu sehen. Führungen gibt es am Donnerstag, 11. März, um 10 Uhr, am Dienstag, 16. März, um 15 Uhr sowie am Dienstag, 30. März, um 18 Uhr.

Als Begleitveranstaltung hält Emig am Freitag, 26. März, um 19.30 Uhr in der Volkshochschule im Deutschhof den Vortrag: „Griseldis, Käthchen und das Lob der gehorsamen Ehefrau“. Seine These: Vermutlich wurde Kleist überhaupt nicht durch Heilbronner Vorbilder angeregt. Vorbild könnte vielmehr eine Erzählung des italienischen Novellendichters Giovanni Boccaccio (1313-1375) sein, die in zahlreichen Verwandlungen über die Jahrhunderte und Kontinente verbreitet war. Zudem wird es zwei Kleist-Vorträge geben.

Am Sonntag, 28. Februar, spricht der frühere Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, der emeritierte Regensburger Literaturwissenschaftler Professor Dr. Hans-Joachim Kreutzer um 11 Uhr im Schießhaus über „Kleist unter den Deutschen“. Am Sonntag, 2. Mai, ist ebenfalls um 11 Uhr im Schießhaus Professor Dr. Siegfried Lokatis von der Universität Leipzig mit einem Vortrag über „Kleist in der Veröffentlichungspraxis der DDR (mit einem Exkurs zu Paul Distelbarth)“ zu Gast.

Im Übrigen bietet das Kleist-Archiv Sembdner im Internet unter www.kleist.org/publikationen eine Übersicht über die lange Publikationsliste zu Kleist, diverse Materialien zum „Käthchen“ unter www.das-kaethchen-von-heilbronn.de sowie unter anderem ein kostenloses Faltblatt zum Inhalt des Stücks unter www.kleist.org/kaet/prospekt.

Stadtarchiv: Festvortrag und Stadtführungen

Am Freitag, 19. März, 19 Uhr, hält Stadtarchivdirektor Professor Dr. Christhard Schrenk im Theodor-Heuss-Saal der Harmonie einen Festvortrag über „200 Jahre Käthchen und Heilbronn“. Umrahmt wird der Vortrag vom Sinfonischen Jugendblasorchester unter der Leitung von Marc Lange. „Der Vortrag beleuchtet“, so Schrenk, „einige wichtige Stationen aus der Heilbronner Stadtgeschichte von 1810 bis 2010.“ Dabei tritt die Theaterschauspielerin Viola Neumann als „Käthchen“ in Dialog mit dem Vortragenden und kommentiert die Stadtgeschichte aus ihrer Sicht.

Darüber hinaus bietet Annette Geisler vom Stadtarchiv in Kooperation mit der VHS zwei Stadtführungen unter dem Motto „ Das Käthchen in Heilbronn“ an. Die geführten Spaziergänge, für die eine Teilnahmegebühr von vier Euro erhoben wird und eine Anmeldung bei der VHS erforderlich ist, finden am Donnerstag, 25. März, von 16 bis 18 Uhr und am Sonntag, 2. Mai, von 11 bis 13 Uhr statt.

Der Gang durch die Innenstadt führt zu den Stätten Heilbronns, die mit Kleists Schauspiel verbunden sind. Die Themen der Führung reichen vom Mesmerismus als Teil des motivgeschichtlichen Hintergrunds, den möglichen Käthchen-Urbildern bis zu den ersten und bedeutenden Theateraufführungen in Heilbronn. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der frühen touristischen Nutzung des Käthchens gewidmet.

Heilbronner Sinfonie Orchester: zwei seltene Kleist-Kompositionen

Bereits am Sonntag, 21. Februar, lädt das Heilbronner Sinfonie Orchester unter Leitung von Dirigent Peter Braschkat ab 19.30 Uhr zu einem Konzertabend in den Theodor-Heuss-Saal der Harmonie ein. Zu hören ist an diesem Abend, so Kurt Schaber, 2. Vorstand des Sinfonie Orchesters, unter anderem Joseph Joachims „elegische Ouvertüre“ op. 13, die den Untertitel „In memorian Heinrich von Kleist“ trägt sowie die Ouvertüre zu Hans Pfitzners „Käthchen“-Oper.

Württembergisches Kammerorchester: Uraufführung von Charlotte Seithers Kleist-Komposition

Am Montag, 20. Dezember, feiert das Württembergische Kammerorchester mit Charlotte Seithers Kleist-Auftragskomposition Uraufführung. Die 1965 in Landau in der Pfalz geborene renommierte Komponistin ist derzeit Stipendiatin in der Villa Massimo in Rom. Dort sind weite Teile ihrer Komposition entstanden. Um Kleist eine Stimme zu geben, so WKO-Geschäftsführer Frank Druschel, wird das neue Werk für Kammerorchester und Sopranistin angelegt sein.

Stadtbibliothek: Kurzgeschichten-Schreibwettbewerb mit Lesungen

Bereits Mitte Oktober 2009 hat die Stadtbibliothek zusammen mit der Bäckerei Härdtner & Böhringer und dem Stuttgarter maringo Verlag zu einem Kurzgeschichten-Schreibwettbewerb aufgerufen.

„Dabei soll“, so Dorit Kuhnle, Abteilungsleiterin in der Stadtbibliothek, „mit einem Einstiegszitat nach eigener Wahl aus Kleists „Käthchen“ eine abgeschlossene Kurzgeschichte mit maximal 400 Wörtern eingereicht werden.“ Aufgrund des guten Rücklaufs hat die Stadtbibliothek den ursprünglichen Einsendeschluss von Mitte Januar auf 31. Januar verlängert.

Eine fünfköpfige Jury wählt die besten Kurzgeschichten aus, die anschließend auf Bäckertüten gedruckt und in allen Bäckereien von Härdtner sowie Mitterer zu bekommen sind. Diese besondere Aktion zu Ehren des Schauspiels mit dem Heilbronner Stadtnamen wird über einen Zeitraum von März bis Juni 2010 laufen. Innerhalb dieses Zeitraums werden zehn verschiedene Käthchenzitatkurzgeschichten in einer Auflagenhöhe von 250 000 Stück je Geschichte veröffentlicht.

Am Mittwoch, 17. März, werden die von der Jury ausgesuchten Kurzgeschichten um 15 Uhr in der Härdtner-Filiale Delikatessa in der Galeria Kaufhof vorgestellt. Am Montag, 26. Juli, ist zudem eine Lesung von eingereichten Käthchen-Kurzgeschichten im Botanischen Obstgarten geplant.

Außerdem soll es kurzfristig weitere Käthchen-Flashmobs geben. Weitere Informationen mit dem Hinweis auf eine Kurzgeschichte finden sich unter: www.kaethchentuete.de sowie zur flashmob-Aktion unter http://lestkaethchen.wordpress.com.

Volkshochschule Heilbronn: Ringlesungen in den Stadtteilen und Kooperation

„Außer den genannten Kooperationsveranstaltungen mit dem Kleist-Archiv Sembdner und dem Stadtarchiv bietet die Volkshochschule mit ihren Zweigstellen Lesungen mit prominenten Vorleserinnen und Vorlesern in den Stadtteilen an“, erläutert VHS-Leiter Peter Hawighorst.

Den Auftakt macht Bürgermeister Harry Mergel am Freitag, 23. April, um 19 Uhr Auf dem Bau, am Brunnen, in Sontheim. Ihm folgen am Sonntag, 25. April um 11 Uhr in Neckargartach und Frankenbach Stadträtin Tanja Sagasser beziehungsweise Uwe Mettendorf als Vorsitzender des AK Heimat und Kultur bei der Historischen Hammerschmiede und am Pumpwerk im Widmannstal.In Klingenberg liest an der Grundschule Rektorin Magdalena Haug am Montag, 3. Mai, um 12 Uhr. Am Freitag, 7. Mai, liest Käthchen Sabrina Schall um 19 Uhr in der Biberacher Böllingertalhalle und am Montag, 10. Mai, liest Architekt Karl Adolf Herzog um 19 Uhr am Horkheimer Dachreiterbrunnen.

Städtische Museen: Große Füger-Ausstellung in der zweiten Jahreshälfte 2011

Die Städtischen Museen planen aus Anlass des 260. Geburtstags des bedeutenden Heilbronner Malers Heinrich Friedrich Füger (1751-1818) unter dem Arbeitstitel „Heinrich Friedrich Füger – Hofmaler und Bürger“ eine erste umfassende Einzelausstellung des Künstlers aus der Zeit Heinrich von Kleists mit mehreren Leihgaben bedeutender Museen und Sammlungen wie der Wiener Albertina, des Frankfurter Städel Museum und der Staatsgalerie Stuttgart, verweist Museumsleiter Dr. Marc Gundel auf die Planungen.

„Wir können uns schon heute auf eine Vielzahl neuer Aspekte zu Leben und Werk des modernen Klassikers Heinrich von Kleist sowie zu seinem und unserem ‚Käthchen von Heilbronn’ freuen“, hofft Bürgermeister Harry Mergel auf eine breite Resonanz der Aktivitäten im Jubiläumsjahr. „Zudem bin ich sicher, dass vielleicht sogar in der zweiten Jahreshälfte noch das eine oder andere Projekt hinzukommt“.

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