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27.06.2012
Hochwasserschutz in Frankenbach
Mauern und Wälle sorgen für trockene Häuser
Jede Menge Natursteine begrenzen in Frankenbach seit einigen Monaten auffallend viele Grundstücke, zum Teil werden sie noch durch optisch ansprechende Zäune gekrönt. Was zunächst nach einem neuen Trend beim Gartenbau aussieht, ist jedoch ein bis ins Detail ausgefeilter Hochwasserschutz. Diese unscheinbaren Schutzwälle sollen den Rot- und Leinbach bei Hochwasser von Überflutungen in der Frankenbacher Ortslage abhalten.„Die lokalen Schutzmaßnahmen sind Bestandteil einer übergreifenden Hochwasserschutzkonzeption“, betont Bürgermeister Wilfried Hajek. So seien die Frankenbacher Mauern und Wälle eine notwendige Ergänzung zu den beiden für insgesamt knapp sechs Millionen Euro errichteten Hochwasserrückhaltebecken zu sehen, die 2008 am Rotbach und 2011 am Leinbach den Betrieb aufgenommen haben.
„Wenn es zu einem Hochwasser kommt, das statistisch gesehen nur alle 100 Jahre auftritt, würden Rot- und Leinbach trotz der neuen Hochwasserrückhaltebecken in Frankenbach über die Ufer treten“, erklärt Jakobine Biehl, die beim städtischen Amt für Straßenwesen für den Hochwasserschutz in Heilbronn zuständig ist. Damit würden die Becken im Ernstfall zwar einwandfrei ihre Aufgaben erfüllen, den Ort allerdings dennoch nicht vor Schäden bewahren. „Hier kommen nun die lokalen Hochwasserschutzmaßnahmen ins Spiel“, betont Biehl. Erst durch diese ist garantiert, dass die Wassermassen eines 100-jährlichen Hochwassers künftig ohne Schäden durch Frankenbach hindurchfließen können.
Rotbach wird mit Kragen versehen
Aus diesem Grund investiert seit November 2011 der 1998 gegründete Zweckverband „Hochwasserschutz Leintal“, zu dem sich die Stadt Heilbronn mit vier weiteren Städten und Gemeinden zusammengeschlossen hat, rund 1,9 Millionen Euro in den Schutz der Frankenbacher Häuser und Grundstücke. Gut zwei Drittel dieser Summe – etwa 1,3 Millionen Euro - trägt das Land Baden-Württemberg. Bis Oktober dieses Jahres sollen alle Bauarbeiten abgeschlossen sein.
Das vorläufige Ergebnis kann sich inzwischen durchaus sehen lassen: „Wir haben es geschafft, mitten in Frankenbach auf insgesamt rund 900 Metern Länge Mauern und Wälle zu errichten, die auch ökologisch und optisch eine deutliche Verbesserung darstellen“, freut sich der für die Bauausführung zuständige städtische Projektleiter Alexander Benzler. So wurde der Bachlauf ökologisch sinnvoll verbreitert, Überbauungen konnten abgebrochen werden. Zudem sind die Natursteinmauern und Erdwälle, Winkelstützmauern und Bohrpfahl-Wandscheiben sowie vereinzelte Dammbalkenverschlüsse und Hochwasserschutztüren nur zwischen 40 und 110 Zentimeter hoch.
Auf der Karte wird die Systematik der vielen kleinen Maßnahmen sichtbar. So bilden sie faktisch einen Kragen um den Rotbach, der sich zur Einmündung in den Leinbach hin trichterförmig ausweitet. Innerhalb dieses Trichters befindet sich eine weitgehend unbebaute Staufläche: „Der Rotbach führt im Ernstfall nur ein Drittel der Wassermenge, die über den Leinbach abgeführt wird“, erklärt Benzler. „Damit wirkt der Leinbach wie eine Mauer, an der sich der Rotbach aufstaut.“ Um diesen Effekt abzumildern wird in den nächsten Monaten als einer der letzten Bauabschnitte die Rotbach-Einmündung so verändert, dass sie nicht mehr senkrecht, sondern schräg auf den Leinbach trifft.
Mauern und Wälle sind Grunddienstbarkeit
Dem Bau der lokalen Schutzvorrichtungen gingen dabei noch einmal rund zehn Jahre Vorlaufzeit voraus. „Von den geplanten Bauarbeiten sind insgesamt 60 Grundstücke betroffen, davon sind allein 51 in privater Hand“, verweist Biehl auf teilweise langwierige Überzeugungsarbeit. So werden viele Mauern und Wälle auf privatem Grund angelegt und durch den Eintrag einer Grunddienstbarkeit festgeschrieben. Zahlungen an die Grundstückseigner habe es nicht gegeben, betont Biehl: „Die Entschädigung ist ja schließlich der durch die Allgemeinheit finanzierte Schutz vor Hochwasser.“
Sollte trotz dieser lokalen Schutzmaßnahmen das Wasser doch über die Ufer treten, so ist der vorgesehene 100-jährliche Schutzgrad übertroffen. „Für diese derzeit noch unwahrscheinlichen Wassermengen ist unser garantierter Hochwasserschutz nicht ausgelegt, dann greift die Pflicht zum Eigenschutz“, betont Biehl.



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