Das Käthchen von Heilbronn

Mit seinem 1810 in Wien uraufgeführten „Großen historischen Ritterschauspiel“, so der Untertitel von „Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe“, hat der Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811) Heilbronn einen Platz in der Weltliteratur verschafft. Allerdings lassen sich für die Titelfigur, die vermeintliche Tochter eines Heilbronner Waffenschmieds, bis heute keine historischen Vorbilder identifizieren. Darüber hinaus sind die im Spätmittelalter spielende Handlung und ihre Personen vermutlich eine Erfindung des Dichters. Wenngleich über die um 1800 in Medizin und Dichtung stark diskutierten heilmagnetischen Theorien und Konzepte - etwa über den Heilbronner Stadtarzt Eberhard Gmelin (1751-1809) - Spuren in die Neckarstadt führen könnten, lassen sich historisch gesicherte Berührungspunkte zu Kleists Schauspiel bis heute nicht nachweisen.

Gleichwohl entfaltet das „Käthchen von Heilbronn“ - im 19. Jahrhundert ein Kassenschlager der Theater - bis heute seine Wirkung an der Stätte des fiktiven Geschehens. Seit dem Erfolg des Stücks firmiert in der Stadt ein imposantes mittelalterliches Gebäude mit Renaissance-Erker am Marktplatz als „Käthchenhaus“, als vermeintliches Wohnhaus der Kleistschen Figur. Zum „Käthchen von Heilbronn“ wird alle zwei Jahre eine junge Heilbronnerin gewählt, die als sympathische Botschafterin für die Stadt bei offiziellen Anlässen auftritt. Daneben gibt es eine ganze Reihe werbeträchtiger Artikel, die an die Heldin in Heinrich von Kleists gleichnamigem Schauspiel erinnern. Der Kleist-Bezug war im Übrigen auch Anknüpfungspunkt für die Gründung der Städtepartnerschaft mit Frankfurt (Oder) im Jahre 1988. Heinrich von Kleist wurde dort geboren.

Weitere Informationen finden sich beim Heilbronner Kleist-Archiv Sembdner, der ursprünglichen Arbeitsbibliothek des 1997 verstorbenen renommierten Kleistforschers Professor Helmut Sembdner, die die Stadt 1991 als Grundstock einer Forschungsstätte erworben hat.

 
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