Neckarschifffahrt

Eine nahezu zweitausendjährige Geschichte verbindet Heilbronn mit seinem Neckar, der bereits im 1. Jahrhundert nach Christus schiffbar war, allerdings nur zwischen der Mündung bei Mannheim und Heilbronn. Der obere Teil des Neckars war so steil, dass lange Zeit alle Anstrengungen scheiterten, ihn durchgängig sicher befahrbar zu machen. Nur wagemutige Flößer brachten wertvolles Schwarzwaldholz über Nagold, Enz und Neckar hinab zum Rhein und weiter zur Nordsee.

Für die circa hundert Kilometer lange Strecke Mannheim - Heilbronn brauchten die Schiffer mindestens acht Tage. Aber eine Alternative gab es nicht, denn angelegte Wege oder Fahrstraßen existierten vor 1800 nicht.

Bereits um 830 war der Handel so schwunghaft, dass entlang dem Neckar Zollstationen eingerichtet wurden. 1146 wird die erste Schiffsanlegestelle in Heilbronn urkundlich erwähnt. Die Reichsstadt Heilbronn besaß seit 1333 das kaiserliche Privileg, den Neckar in ihrem Stadtgebiet so anzulegen, zu nutzen und zu sperren, wie es ihr behagte. Folge: Flussaufwärts von Baden und der Kurpfalz getreidelte, also mit Pferdekraft gezogene Waren mussten in Heilbronn ausgepackt, verzollt und gelagert werden. Ein wesentliches Standbein für den wachsenden Wohlstand der Stadt. Eine weitere Folge: Müller nutzten die Antriebsenergie des Wassers, Schiffsbauer siedelten sich an, Händler und Kaufleute schlugen Waren um.

Erst 1803 fielen Heilbronns Privilegien mit dem Übergang an Württemberg. Der neue König Friedrich I. ließ mit großem Aufwand einen nahezu 500 Meter langen Kanal vorbei an Heilbronns altem Gewerbegebiet Hefenweiler ziehen, der erstmals eine durchgehende Fahrt in Richtung Stuttgart erlaubte. Mit dem Ausbau weiterer steinerner Schleusen erlebte die Schifffahrt in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Aufschwung. Der nach seinem Begründer benannte „Wilhelmskanal“ wurde 1821 vollendet und ist Heilbronns ältestes technisches Denkmal.

Um 1840 erreichte mit der Entwicklung der Dampfschifffahrt auch der frühe Tourismus Heilbronn: Vor allem englische und nordeuropäische Besucher schätzten Bildungsreisen auf dem Rhein und in die angrenzenden Regionen. Die Dampfboote scheiterten jedoch an den schwierigen Wasserverhältnissen des Neckars und an der Konkurrenz durch die Eisenbahn.

Erst mit dem Ausbau des Flusses als Wasserstraße erhielt der Neckar sein heutiges Gesicht: Eine Vielzahl von Staustufen und Schleusen ermöglichten seit 1935 auch größeren Schiffen flussaufwärts bis Heilbronn zu fahren. Der Fluss war fortan Großschifffahrtsstraße, auf der von nun an auch Schleppboote vom Rhein und andere Rheinschiffe fuhren. Als 1958 auch der Stuttgarter Hafen angelegt und 1967 der Endpunkt des Ausbaus in Plochingen erreicht war, gehörte die Verkehrswasserstraße Neckar mit 202 Kilometern zu den wichtigen deutschen Handelsrouten.

 
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