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100 gedenken Michèle Kiesewetter

Angehörige der NSU-Morde in Heilbronn

Knapp 100 Menschen gedachten am Dienstag vormittags der vor genau zehn Jahren ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter sowie der weiteren Opfer der NSU-Terrorserie. Vor dem Großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses hingen die Fahnen auf halbmast. „Warum Heilbronn? Wieso Michèle Kiesewetter? Und weshalb der 25. April 2007“, begann der Heilbronner Oberbürgermeister, Harry Mergel, seine Ansprache. Unter den Zuhörern waren der stellvertretende Ministerpräsident, Innenminister Thomas Strobl, Professorin Barbara John als Ombudsbeauftragte der Bundesregierung für die Opfer und Opferangehörigen der NSU-Terrorserie, der türkische Generalkonsul Akinti, der Bundestagsabgeordnete  Clemens Binninger als Vorsitzender des dritten (Bundes-) Untersuchungsausschusses, Wolfgang Drexler als Vorsitzender des Landes-Untersuchungsausschusses sowie mehrere Geistliche aus Thüringen und Baden-Württemberg und Vertreter des Gemeinderates. 

OB Mergel rief den 25. April 2007 in Erinnerung, die Gegensätze jenes Tages – blauer Himmel und eine strahlende Sonne auf der einen, Dauer-Stau und Rotorenlärm auf der anderen Seite. Lange habe die Suche nach den Mördern gedauert, aber auch nach deren Auffinden konnten noch nicht alle Fragen zu den Hintergründen beantwortet werden. Mergel: „Und solange die Frage nach dem „Warum“ nicht ausreichend beantwortet werden kann, gibt es auch hier in Heilbronn eine offene Wunde.“

Innenminister Thomas Strobl

Der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl sagte, er verneige sich vor allen Opfern der NSU-Terrorgruppe: „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer der Terrorgruppe NSU, denen unendlich schreckliches Leid zugefügt und zugemutet wurde. Sie können sicher sein, dass sie mit ihrer Trauer, ihrem Schmerz und ihrem Erinnern nicht alleine sind.“

Minister Strobl erinnerte daran, wie damals die Nachricht vom Mord und der lebensbedrohlichen Verletzung ihres Streifenkollegen die Menschen in Heilbronn erschütterte. Strobl selbst sei an diesem Tag beruflich bedingt nicht in seiner Heimatstadt Heilbronn gewesen, er habe aber von vielen Menschen gehört, wie sie diesen Tag erlebt haben: Wie zunächst die vielen Sirenen und Hubschraubergeräusche in der Stadt zu hören gewesen seien, wie es erste Gerüchte über Schüsse auf Polizisten auf der Theresienwiese gegeben habe, wie die Stadt traumatisiert und in einer regelrechten Schockstarre gewesen sei und wie die Menschen in der Stadt mit der Familie, den Verwandten, den Freunden von Michèle Kiesewetter getrauert und um ihren schwer verletzten Kollegen gebangt und für ihn gebetet hätten.

Ombudsfrau Prof. Barbara John

„Zum siebten Mal  treffen sich Hinterbliebenenfamilien und Opfer des Kölner Bombenattentats zu einem Gedenkstättenbesuch“, führte die Ombudsbeauftragte der Bundesregierung, Prof. Barbara John, aus und folgerte: „Einen Tatort zu besuchen tut weh. Alle Familien, die nach Heilbronn gekommen sind, kennen diesen Schmerz. Hier in Heilbronn braucht Familie Kiesewetter auch den Beistand der anderen Opferfamilien, neben den Bekundungen der Landespolitik, der Stadt Heilbronn und der Polizei, der Michèle als Polizeimeisterin angehörte. Diese gemeinsamen Besuche sind aber auch ein Zeichen des Mutes und der Entschlossenheit der Hinterbliebenen, ihr Leben nicht vom erlittenen Trauma bestimmen zu lassen, trotz aller Widrigkeiten.“

Gedenken an Michèle Kiesewetter sowie der weiteren Opfer der NSU-Terrorserie auf der Theresienwiese.

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