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Käthchen von Heilbronn

Der Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811) hat Heilbronn weltweit bekannt gemacht. Und zwar mit seinem 1807/08 entstandenen und erstmals 1810 in Wien aufgeführten Drama in fünf Akten „Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe“. Das historische Ritterschauspiel hat viele märchenhafte und romantische Elemente. Mit der Hauptfigur, dem fünfzehnjährigen Käthchen, hat Kleist eine seiner liebenswertesten Bühnengestalten geschaffen.

Bereits 1843 bezeichneten gedruckte Reiseführer ein mittelalterlich aussehendes Gebäude am Marktplatz als Käthchenhaus, aus dessen Erker sich das Käthchen gestürzt haben soll. Als Repräsentationsfigur in Form eines kostümierten Mädchens tritt das Käthchen schon seit mindestens 1872 in Erscheinung. In den 1920er und 1950er Jahren gab es im Deutschhof die ersten „Käthchen-Festspiele“. Ab 1950 wurde das Käthchen als Symbolfigur für die Stadt Heilbronn neu etabliert. Seit 1970 werden alle zwei Jahre drei junge Frauen zum „Käthchen von Heilbronn“ im Rahmen eines festlichen Event gewählt.

Die Amtszeit der bisherigen Käthchen, Jasmin Heyd mit ihren Stellvertreterinnen Laura Sophie Scholl, Lisa Roth und Denise Fohr endete am 23. Oktober 2020. „Mit der BUGA und dem Corona-Pandemie erlebten die vier jungen Frauen zwei so außergewöhnliche wie konträre Ereignisse in ihrer Amtszeit. Für ihr Engagement danke ich ihnen sehr. Dass eine gebührende Verabschiedung nun nicht möglich ist, bedauere ich sehr“, sagt Harry Mergel, Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn.
Die vier BUGA-Käthchen hätten ihre Aufgabe bravourös gemeistert, bis hin zu der Bereitschaft trotz einer besonders aufwendigen Amtszeit in der Corona-Krise das Amt länger zu bekleiden als das angedacht war. „Da bleibt uns einfach nur Danke zu sagen und zu versprechen, dass wir das irgendwie nachholen, wenn es wieder möglich ist“, versprechen Nico Weinmann als Vorsitzender und Steffen Schoch als Geschäftsführer des Verkehrsvereins, der das Amt des Käthchens begleitet. Die scheidenden Käthchen hätten das Amt mit viel Herzblut ausgefüllt und mehr noch, es durch ihre Persönlichkeiten auch nachhaltig geprägt und weiterentwickelt.

Dass sie das Bild des Käthchens modern vermitteln und als sympathische Botschafterinnen der Stadt auftreten wollten, berichtet Jasmin Heyd. Ihren Nachfolgerinnen gibt sie mit auf den Weg: „Seht es als Chance, der Rolle in eurer Amtszeit einen ganz persönlichen Akzent zu verleihen. Der Schritt Käthchen zu werden erfordert Mut und den Sprung ins kalte Wasser. Mut habt ihr durch eure Bewerbung auf das Amt schon bewiesen. Wir wünschen euch, dass ihr bei euren zukünftigen Käthchen-Terminen auch weiterhin so mutig aus eurer Komfortzone geht.“

Rückblick: Käthchen von Heilbronn 2018-2020

Die neuen Käthchen von Heilbronn

Die drei neuen Käthchen, Madeleine Sackmann (24), Emilia Felder (18) und Daphne Schietinger (24), freuen sich, ihre neue Aufgabe nun endlich antreten zu können. Vieles ist noch ungewiss, welche Veranstaltung wird ihre erste sein? Welche Gästeführung können sie demnächst begleiten? Wird es im kommenden Jahr Besuche in den Partnerstädten geben? Aber fest steht, dass die Vorfreude auf diese ersten Schritte auf ihrem Weg als Käthchen von Heilbronn schon heute groß ist. Drei junge Heilbronn-Fans stehen ab sofort bereit.

 

Die neuen Käthchen stellen sich vor

„Ging sie, in ihrem bürgerlichen Schmuck, über die Straße, den Strohhut auf, von gelbem Lack glänzend, das schwarz-samtne Leibchen, das ihre Brust umschloß, mit feinen Silberkettlein behängt: so lief es flüsternd von allen Fenstern: das ist das Käthchen von Heilbronn, das Käthchen von Heilbronn, ihr Herren, als ob der Himmel von Schwaben sie erzeugt, und, von seinem Kuß geschwängert, die Stadt, die unter ihm liegt, sie geboren hätte.“
(1. Akt, 1. Auftritt). 

Käthchen, Tochter eines Heilbronner Waffenschmieds, liebreich und begütert, hat den Mann ihrer Träume gefunden. Den Grafen Wetter vom Strahl. Doch Standesunterschiede lassen eine Verbindung nicht zu. Das hindert das Bürgermädchen nicht, ihrem Ritter in rätselhafter Ergebenheit überall hin zu folgen. Indessen glaubt Strahl in der standesgemäßen Kunigunde von Thurneck die ihm im Traum geweissagte Braut, eine Kaisertochter, gefunden zu haben. Doch auch dem Käthchen ist zu gleicher Zeit ein Engel erschienen, der ihr den Grafen als Bräutigam gezeigt hat. Bevor sich diese himmlische Vision jedoch erfüllt, muss Käthchen eine „Feuerprobe“ bestehen. Am Ende passiert ein letztes „Wunder“. Käthchen, in Wahrheit ein Kind des Kaisers, wird von ihrem Grafen zum Brautaltar geführt.

Warum Heinrich von Kleist Heilbronn zum Schauplatz seines Stückes gemacht hat, ist bis heute ungeklärt. Ein Bekannter Kleists schreibt 1819, er habe „die ganze Legende vom Käthchen als einer Volkssage“ gefunden und „das gedruckte Flugblatt, das er auf einem Jahrmarkte gekauft hatte“, aufbewahrt. Bis heute wurde dieses Flugblatt jedoch nicht gefunden. Die in Heilbronn immer wieder vertretene Ansicht, dass Kleist durch eine Heilbronner Krankengeschichte auf seinen Stoff gestoßen sei, gehört zu den vielen unbewiesenen Behauptungen. Ein historisches Vorbild für die Titelfigur des Stückes gibt es nicht.

Das Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn ist eine internationale Arbeitsstelle zum Leben und Werk des Dichters Heinrich von Kleist. Es beschäftigt sich seit seiner Gründung unter verschiedensten Gesichtspunkten mit Kleists großem historischem Ritterschauspiel.
Mehr Informationen zum Kleist-Archiv Sembdner gitb es auf www.literaturhaus.heilbronn.de/kleist-archiv-sembdner.html