Naturdenkmal Waldheide

Die Waldheide ist eine im Stadtwald im Osten Heilbronns gelegene rund 52 ha große Waldblöße, die von eichenreichen Laub-Wäldern umgeben wird. Der im Untergrund anstehende, vergleichsweise erosionsbeständige Schilfsandstein bildet hier eine Verebnung aus, so dass das Gelände nur wenig bewegt ist.

Geschichte

Die Waldheide hat eine lange und bewegte Geschichte. Dabei hatte zunächst nur die Landwirtschaft in Form von Weide- und Ackernutzung eine Rolle gespielt. Im 19. Jahrhundert erfolgte dann eine teilweise Aufforstung. 1883, in Folge des Deutsch-Französischen Krieges, wurde hier ein Exerzierplatz eingerichtet. Ab 1918 wird die Waldheide Naherholungsgebiet für die Heilbronner Bevölkerung. Zu diesem Zeitpunkt entstand auch die Bezeichnung „Waldheide“. Während des Dritten Reichs wurde die Waldheide dann erneut militärisch genutzt und diente als Truppenübungsplatz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US-Army das Gelände. Schließlich wurden hier Atomraketen stationiert, zuletzt Pershing II-Raketen. 1985 kam es zu einem Raketenunfall, bei dem drei US-Soldaten starben. 1990 gab die US-Army das Gelände auf und zog ab.

Anschließend ging die Fläche wieder in das Eigentum der Stadt Heilbronn über und die Waldheide wurde renaturiert. Dabei wurden in erster Linie die zahlreich vorhandenen Gebäude, Straßen, Wege, Parkplätze und sonstigen baulichen Anlagen entfernt. Das einzig verbliebene Gebäude dient heute als Schafstall. Gleichzeitig steht das Gelände wieder für die Naherholung zur Verfügung.

Der naturschutzfachlich wertvollste Teil im Norden der Waldheide wurde 1994 mit einer Größe von 4,5 ha zum Naturdenkmal ausgewiesen. Hier sind noch größere, zusammenhängende Bereiche mit Heide-Vegetation erhalten geblieben. Ansonsten ist Heide-Vegetation, die früher großflächig die gesamte Waldheide geprägt hat, nur noch fragmentarisch zu finden. Leider ist eine nennenswerte Wiederausbreitung der Heide-Vegetation kaum mehr möglich, weil durch die militärische Nutzung in der jüngeren Vergangenheit und die damit verbundenen baulichen Anlagen die ursprünglich vorhandenen Schilfsandstein-Verwitterungsböden massiv beeinträchtigt wurden oder gar nicht mehr vorhanden sind. Und über Jahrtausende durch Bodenbildungsprozesse entstandene Böden lassen sich nicht künstlich wieder herstellen, auch nicht durch Renaturierungsmaßnahmen.

Die Heide im Naturdenkmal

Typische Standorte der „Heide-Vegetation“ sind nährstoffarme, kalkfreie Böden. Hier kommen deshalb nur Pflanzenarten vor, die keinen Kalk im Boden vertragen und zugleich mit wenig Nährstoffen auskommen. Als weiterer wichtiger Faktor wirkt die Nutzungsart, im Fall der Waldheide die traditionelle (Schaf-) Beweidung (vgl. Gewannname „Angerweide“ im Naturdenkmal). Weidetiere fressen vor allem die Pflanzenarten, die ihnen schmecken.

Und so setzt sich die Heide im Naturdenkmal aus ganz charakteristischen Pflanzenarten zusammen. Prägendes Element ist dabei ohne Zweifel das Heidekraut (Calluna vulgaris). Charakteristisch sind aber auch Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Deutscher Ginster (Genista germanica), Gewöhnlicher Thymian (Thymus pulegioides), Purgier-Lein (Linum catharticum) und Blutwurz (Potentilla erecta), Darüber hinaus sind auch die Gräser Borstgras (Nardus stricta) und Dreizahn (Danthonia decumbens) typisch. Dort, wo wasserstauender Ton im Untergrund vorhanden ist, kommen Pfeifengras (Molinia caerulea) und Bleiche Segge (Carex pallescens) hinzu.

Als besonders typische Tierart für magere Weideflächen kommt auch der stark gefährdete Kleine Heidegrashüpfer (Stenobothrus stigmaticus) im Naturdenkmal vor. Er benötigt offene Bodenstellen, wie sie im Zuge der Schafbeweidung immer wieder neu entstehen.

Die Hecken am Rand der Heideflächen werden in erster Linie von Brombeeren aufgebaut. Der Neuntöter (Lanius collurio) ist hier regelmäßiger Brutvogel. In den offeneren Bereichen mit Einzelgehölzen war bis vor einigen Jahren der Baumpieper (Anthus trivialis) Brutvogel. Mittlerweile ist er leider verschwunden.

Tümpel

Darüber hinaus sind im Naturdenkmal mehrere Tümpel vorhanden, die vor allem im Verlauf des Sommers immer wieder austrocknen. Dies kommt vor allem den Lebensraumansprüchen der stark gefährdeten Gelbbauchunke (Bombina variegata) zugute. So können sich in zeitweise trocken fallenden Gewässern nämlich schwer Populationen von Fressfeinden der Kaulquappen aufbauen, wie etwa Libellenlarven. Und Fische können sich erst gar nicht etablieren. Der ursprünglich hier auch vorkommende Laubfrosch (Hyla arborea) ist leider verschwunden. Von den schwankenden Wasserständen in den flachen Tümpeln mit schlammigem Untergrund profitiert ebenso der seltene Gewöhnliche Pillenfarn (Pilularia globulifera). Er kann hier teils große Bestände aufbauen.

Ohne Schafe keine Waldheide

Von Natur aus würde auf der Waldheide ein von Rotbuchen (Fagus sylvatica) dominierter Laubwald stocken. Die offene, abwechslungsreiche Landschaft mit einzelnen Bäumen, Sträuchern, Hecken und verschiedenen weiteren Elementen ist hingegen das Ergebnis der seit Jahrhunderten andauernden landwirtschaftlichen Nutzung. Dabei hat insbesondere die Beweidung eine entscheidende Rolle gespielt. Denn durch den Verbiss verhindern die Weidetiere das Aufkommen von jungen Waldbäumen. Und so entstand durch die Beweidung eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, die gleichzeitig seit fast hundert Jahren sehr beliebtes Naherholungsgebiet für die Heilbronner Bevölkerung ist.

Klassisches Element dieser historischen Weidelandschaft der Waldheide mit ihren sauren Böden ist die Heide-Vegetation. Die bis heute anhaltende Beweidung - von kurzen Unterbrechungen abgesehen - garantiert die schonende Pflege und den Erhalt dieser Landschaft.

Aktuell sind es die Schafe der Schäferei Württemberger aus Ellhofen, die diese außerordentlich wichtige Aufgabe schon seit geraumer Zeit erledigen. Unter anderem dafür wurde die Schäferei Württemberger 2008 mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Der Besuch der Waldheide kostet keinen Eintritt, und dennoch gibt es diese Landschaft nicht gratis. Ohne Schafbeweidung würde die 52 ha große Waldheide nämlich rasch verbuschen und bald in Wald übergehen. Weil die Vermarktung von Lammfleisch, vorzugsweise über den Hofladen in Ellhofen, wirtschaftliches Standbein der Schäferei Württemberger ist, kann nur bei entsprechender Nachfrage auch künftig Pflege und Erhalt dieser für Heilbronn aus vielerlei Hinsicht so besonderen Landschaft als gesichert gelten.

 
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