Aktuelle Meldungen
Hier gelangen Sie zur Übersicht aller News
Neuer Gedenkort macht KZ „Steinbock“ in Neckargartach sichtbar
Mahnung für Gegenwart und Zukunft
Rote Bodenmarkierungen mit symbolischem Stacheldraht, ein Tastmodell sowie markante Elemente aus Cortenstahl machen sichtbar, was jahrzehntelang unsichtbar war: das Konzentrationslager „Steinbock“ in Heilbronn-Neckargartach. Ab Herbst 1944 waren hier zeitweise über 1000 Häftlinge interniert; Schätzungen gehen von mehr als 300 Todesopfern aus. Vom Lager selbst war in den vergangenen Jahrzehnten nichts mehr zu erkennen – bis jetzt.
Am ehemaligen Standort in der Böllinger Straße hat Oberbürgermeister Harry Mergel am 1. April einen neu gestalteten Gedenk- und Lernort eingeweiht. Dieser umfasst auch den KZ-Friedhof auf der nahegelegenen Anhöhe und verbindet beide Orte erstmals sichtbar miteinander.
„Mit der Erweiterung des Gedenk- und Lernortes hier am ehemaligen KZ Heilbronn-Neckargartach wollen wir die menschliche und moralische Katastrophe der NS-Zeit und ihrer Verbrechen greifbarer und deutlicher machen“, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel bei der Einweihung anlässlich des Jahrestags der Räumung des Lagers, an dem traditionell der Opfer gedacht wird. „Und wir wollen zeigen: Dieses dunkle Kapitel ist auch Teil unserer Heimatgeschichte – und es verpflichtet uns, alles dafür zu tun, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.“
Ziel der Neugestaltung ist es, die Öffentlichkeit – insbesondere Schülerinnen und Schüler – besser über das Konzentrationslager zu informieren und damit zur Stärkung einer demokratischen Grundhaltung beizutragen. Im Mittelpunkt steht die Sichtbarmachung des historischen Ortes inmitten des heutigen Gewerbegebiets sowie die Verbindung zum KZ-Friedhof.
An drei zentralen Stationen – am ehemaligen Lagerstandort, am Treppenaufgang und am Friedhof – verdeutlichen unterschiedliche Elemente die Geschichte des Ortes: nachgezeichnete Barackengrundrisse, Cortenstahl-Wände mit Zitaten und Informationen, farbige Bodenmarkierungen sowie ein Tastmodell. Letzteres macht die topografischen Gegebenheiten und die Einbettung des Lagers auch für blinde und sehbehinderte Menschen erfahrbar.
Die Cortenstahl-Wände enthalten neben kompakten Informationen auch QR-Codes, die auf eine neue Webseite verweisen und den Gedenkort digital erweitern.
Die Konzeption für die räumliche und inhaltliche Erweiterung wurde 2024 unter Federführung des Grünflächenamts in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv entwickelt. Deren Leiter, Oliver Toellner und Miriam Eberlein, stellten das Konzept bei der Einweihung vor Ort vor. Beteiligt waren zudem die „Initiative Gedenkstätte KZ Heilbronn-Neckargartach“ sowie die Gruppe Sepia. Grundlage bildeten unter anderem die Forschungen von Dr. Heinz Risel, auf denen im Wesentlichen der heutige Wissensstand über das KZ Neckargartach basiert.
Weitere Informationen zum Gedenkort sind online verfügbar unter: https://kz-neckargartach.heilbronn.de
Oberbürgermeister Harry Mergel, Archivleiterin Miriam Eberlein, Bernhard Löffler und Heinz Risel, beide von der Gedenkstätten-Initiative, Bürgermeister Andreas Ringle und Grünflächenamtsleiter Oliver Toellner nehmen eine der Stahlwände am neuen Gedenkort in Augenschein. Foto: Stadtarchiv Heilbronn/Amelie Beilmann


