Kontrastansicht zur Hauptnavigation zum Hauptinhalt
1
Visualisierung der geplanten Seilbahnstation am Kurt-Schumacher-Platz mit Gondeln, wartenden Fahrgästen sowie Radverkehr auf der angrenzenden Straße.

Seilbahn

Was in London, Ankara, Barcelona und Toulouse bereits Alltag ist, soll bald auch in Heilbronn möglich sein: Die Stadt Heilbronn plant, als erste Kommune in Baden-Württemberg eine urbane Seilbahn in ihr öffentliches Nahverkehrsnetz zu integrieren. Ziel des Projekts ist es, die Stadtteile mit einer effizienten und umweltfreundlichen Mobilitätslösung noch besser zu erschließen und den Bildungscampus West, den Zukunftspark Wohlgelegen und den neu entstehenden Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) im Areal Steinäcker ideal zu vernetzen.

Geplante Streckenführung und Stationen

Die bevorzugte Seilbahn-Variante der städtischen Planer erstreckt sich über etwa 5 Kilometer und umfasst mindestens sechs Stationen:​

  1. Neckarturm - Kurz-Schuhmacher-Platz
  2. Bildungscampus West
  3. Zukunftspark Wohlgelegen
  4. Neckargartacher Brücke
  5. Neckarau - Alte Molkerei
  6. Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI)
    + gegebenenfalls weitere Stationen

In 15 Minuten soll man bis zum IPAI gelangen, in der gleichen Zeit zurück in die Innenstadt. Das Projekt könnte in der Zukunft dann beispielsweise zum Industriepark Böllinger Höfe verlängert werden.

Über Wohngebiete sollen die Seilbahngondeln nicht geführt werden, sondern nur über öffentliche und Gewerbeflächen. 

Technische Details

  • Kapazität: In denGondeln ist Platz für jeweils bis zu zehn Personen vorgesehen.​
  • Beförderungskapazität: Es können maximal 1.500 Personen pro Richtung und Stunde mit der Seilbahn fahren.​
  • Fahrzeit: In 15 Minuten soll man bis zum IPAI gelangen, in der gleichen Zeit zurück in die Innenstadt. 

„Eine große Chance, Heilbronn als Zukunftsstadt weiterzuentwickeln.
Mit dem flächensparenden und klimaschonenden Konzept könnte unsere Stadt bundesweit eine innovative Vorreiterrolle im Bereich Mobilität einnehmen.“
– Oberbürgermeister Harry Mergel

So könnte eine Seilbahnstation in der Innenstadt am Kurt-Schumacher-Platz aussehen. Anschlüsse ans Bus- und Bahnnetz sind Teil des Konzepts. (Visualisierungen: Stadt Heilbronn /UNStudio)

Vorteile der Seilbahn

  • Umweltfreundlichkeit: Die Seilbahn bietet eine klimaschonende Alternative zu herkömmlichen Verkehrsmitteln und trägt zur Reduzierung von CO₂-Emissionen bei.​
  • Flächeneffizienz: Durch die Nutzung des Luftraums wird der Bodenverkehr entlastet und wertvoller urbaner Raum geschont.​
  • Verkehrsentlastung: Die Seilbahn kann stark frequentierte Verkehrswege entlasten und Pendlern eine zuverlässige Alternative bieten.
  • Teil des Nahverkehrs werden: Gängige Nahverkehrstickets wie das Deutschlandticket sowie Einzel- und Tageskarten sollen auch in der Seilbahn gültig sein.

Projektstatus

Die technische Machbarkeitsstudie wurde im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen. Sie bestätigt die technische Machbarkeit des Vorhabens sowie dessen positiven volkswirtschaftlichen Nutzen.

Der Heilbronner Gemeinderat hat am 27. Juli 2026 die Vorplanung sowie die Beauftragung externer Planungsbüros beschlossen.

Im nächsten Schritt beginnt die Detailplanung. Dazu gehören unter anderem die Erstellung zahlreicher Fachgutachten als Voraussetzung für das spätere Genehmigungsverfahren sowie die vertiefende Ausarbeitung der Planung. Ziel ist eine optimale städtebauliche Integration des Verkehrsträgers Seilbahn unter Berücksichtigung aller relevanten verkehrlichen, ökologischen und städtebaulichen Rahmenbedingungen.

Ab dem vierten Quartal 2026 werden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen geeigneter Dialogformate über den Projektfortschritt informiert.

Häufig gestellte Fragen rund um die geplante Seilbahn

Die Seilbahn soll wichtige Zukunftsstandorte wie den Bildungscampus, den Zukunftspark Wohlgelegen und den IPAI Campus schnell, nachhaltig und zuverlässig mit der Innenstadt verbinden. Als verkehrliche Erschließung mehrerer Stadtentwicklungsquartiere ist sie damit Teil öffentlicher Daseinsvorsorge.

Ja. Die Seilbahn ist ein öffentliches Verkehrsmittel und kann mit den herkömmlichen Tickets, Abos sowie dem Deutschlandticket genutzt werden.

Nach derzeitigem Planungsstand beginnt die Seilbahn in der Innenstadt nahe dem Hauptbahnhof am Neckarturm und führt über den Bildungscampus, den Zukunftspark Wohlgelegen, am Stadtteil Neckargartach vorbei bis zum Endhaltepunkt im IPAI Campus. Auf einer Strecke von 4,7 km sind 6 Stationen geplant.

Station 1 Neckarturm – Kurt-Schuhmacher-Platz
Station 2 Bildungscampus (West)
Station 3 Zukunftspark Wohlgelegen
Station 4 Neckargartacher Brücke
Station 5 Neckarau – Alte Molkerei
Station 6 IPAI Campus

Im Rahmen einer umfassenden Untersuchung wurden zahlreiche Verkehrssysteme geprüft und auf Parameter wie Kosten, verkehrliche Erschließung, Fahrtzeit, Taktung, Personalbedarf und Energieaufwand miteinander verglichen. Die Seilbahn erwies sich für die geplante Verbindung als besonders flächensparend, effizient und verhältnismäßig zeitnah umsetzbar. Ein Ausbau des S-Bahnnetzes hat sich als enorm kosten- und zeitintensiv herausgestellt, während die Fahrtzeit des Busses deutlich über der der Seilbahn liegt und der Bus noch zusätzlich im Stau stehen kann.

Die Fahrtzeit mit der Seilbahn von der Innenstadt über alle Stationen bis hin zum IPAI Campus soll künftig 15 min betragen.

Etwa alle 20-30 Sekunden soll in jeder Station eine Gondel einfahren. Das bedeutet für Fahrgäste, dass sie im Vergleich zu einer Stadtbahn oder einem Bus so gut wie keine Wartezeit haben. Durch Anpassung der Seilumlaufgeschwindigkeit und der Anzahl der Gondeln auf dem Seil lässt sich die Verkehrsleistung flexibel und in gewissem Umfang an den jeweiligen Bedarf anpassen.

In eine Gondel passen maximal 10 Personen.

Ja. Die Anlagen werden so geplant, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Kinderwagen, Rollstühlen oder Fahrrädern die Seilbahn komfortabel nutzen können. 

Das geplante Seilbahnsystem kann pro Stunde und Fahrtrichtung 1.500 Fahrgäste transportieren.

Die genaue Höhe hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Stand heutiger Planung werden die Stützpfeiler eine maximale Höhe von 55 Metern nicht überschreiten.

Moderne Seilbahnen sind für unterschiedliche Wetterbedingungen ausgelegt. Bei extremen Wetterlagen können aus Sicherheitsgründen Einschränkungen oder Betriebsunterbrechungen notwendig sein.

Die Gondeln moderner Seilbahnsysteme sind mit digitalen Fahrgastinformationssystemen, Gegensprechanlagen, Notfall-Knöpfen und Videoüberwachung ausgestattet. Die Leitzentrale überwacht jederzeit alle Gondeln und kann bei Bedarf in Kommunikation treten, Not-Stopps durchführen und Einsätze von Rettungs- bzw. Sicherheitskräften initiieren.

Für jede Seilbahn gibt es detaillierte Notfall- und Rettungskonzepte. Die Betreiber arbeiten eng mit Feuerwehr, Rettungsdiensten und Sicherheitsbehörden zusammen.

Der Schutz der Privatsphäre ist ein wichtiger Planungsaspekt. Bei der Planung der Trasse wurde sichergestellt, dass keine Wohnbebauung überquert und horizontale Abstände zu Wohnbebauung ausreichend eingehalten werden.

Ja. Seilbahnen sind energieeffiziente und gut erprobte Verkehrsträger der Elektromobilität. Sie stoßen lokal weder CO2 noch Feinstaub oder Stickoxide aus. Im Vergleich zur Straßen- oder Schieneninfrastruktur haben Seilbahnen einen geringen Flächenverbrauch und somit einen niedrigen Versiegelungsgrad.

Moderne urbane Seilbahnen gelten als sehr leise. Die Geräuschentwicklung beschränkt sich hauptsächlich auf die Stationen und liegt unter der von Straßenverkehr oder Schienenverkehr.

Seilbahnen sind vergleichsweise schnell zu bauen, da sämtliche vorgefertigten Bauteile nach Baukastenprinzip installiert werden. Für die reine Bauzeit gehen die heutigen Planungen von 1 bis 1,5 Jahre aus. Aufgrund der Trassenlänge von knapp 5 km ist allerdings der Planungs- und Genehmigungsprozess sehr aufwendig und komplex. Eine Vielzahl an Belangen und wechselseitigen Einflüssen der Seilbahninfrastruktur mit ihrer Umwelt gehören im Rahmen eines Planfeststellungsverfahren überprüft. Ein realistischer Beginn des Betriebes liegt Stand heutiger Planung in den frühen Jahren des kommenden Jahrzehnts.

Durch die Lenkung von Verkehrsströmen auf der sogenannten +1 Ebene (über Bodenniveau) entlastet die Seilbahn die insbesondere zu Berufszeiten stark überlasteten Straßen in der Innenstadt oder z.B. auch die Neckartalstraße. Die Verwaltung prüft zusätzlich den Bau großflächiger Parkmöglichkeiten in Autobahnnähe, so dass Studierende, Pendler oder Touristen am Stadtrand parken können und mit der Seilbahn zuverlässig und staufrei in die Innenstadt gelangen.

Urbane Seilbahnen gibt es z.B. in London, Ankara, Lissabon oder Toulouse. Im Dezember 2025 eröffnete in Paris die ebenfalls in den Nahverkehr integrierte Seilbahn „Cable C1“. Mit einer Streckenlänge von 4,3 km und 5 Stationen ist sie mit dem Heilbronner Vorhaben gut vergleichbar. Stand heutiger Planung wäre die Heilbronner Seilbahn mit Fertigstellung die längste urbane Seilbahn Europas.

Die Kosten unterteilen sich in Investitionsaufwand für den Bau der Infrastruktur sowie die späteren Betriebskosten. 

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde eine erste Kostenabschätzung von 157 Millionen Euro für die Investitionsausgaben ermittelt. Die Investition soll bis zu 90 Prozent öffentlich über Land und Bund gefördert werden. Die Kostenabschätzung basiert auf dem Preisniveau des Jahres 2026 und muss im Rahmen der nun beginnenden Vor- und Detailplanung zunächst validiert werden.

Die späteren Betriebskosten berechnen sich im Wesentlichen aus dem Personalbedarf, dem Energieverbrauch sowie dem Pflege- und Wartungsaufwand. Den Betriebskosten stehen die Fahrgasteinnahmen des HNV-Gemeinschaftstarifes sowie den anteiligen Einnahmen des Deutschlandtickets entgegen. Die Einnahmen berechnen sich so wie bei Bussen, Stadtbahnen und Zügen nach einem festgelegten Schlüssel, der die bereit gestellten Wegekilometer und die Erlöse aus Ticketeinnahmen berücksichtigt.