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Umwelt & Mobilität

Im Stadtwald haben viele, aber nicht alle Bäume stark gelitten

Wochenlange Trockenheit mit an die 40 Grad Hitze hat auch den Bäumen im Heilbronner Stadtwald zugesetzt. Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz erklärt im Interview, wie es dem Wald geht. Es gibt deutliche Zeichen, dass Baumteile absterben - aber auch Signale, dass einige Arten offenbar recht gut mit den extremen Bedingungen zurechtgekommen sind.

Das Bild zeigt Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz im Stadtwald bei Biberach, wo er eine gesunde junge Traubeneiche zeigt. Sie ist mit der langen Trockenheit relativ gut zurechtgekommen.
Forstabteilungsleiter Immanuel Schmutz prüft eine rund zehn Jahre alte Traubeneiche am Biberacher Hungerberg. Junge Eichen stehen dort nach dem Trockensommer sattgrün da. (Fotos: Stadt Heilbronn/Friese)

Wie steht der Stadtwald mit seinen rund 1100 Hektar Fläche da?

Immanuel Schmutz: Der Wald hat insgesamt deutlich gelitten unter der langen Trockenphase. Wir haben in den Altbeständen viele Bäume, die jetzt „Herbst machen“, ihr Laub verlieren oder deren Laub braun wird. Wir haben erhebliche Trockenschäden. Man sieht, dass im Wald einzelne Bäume schon komplett blattlos sind. Und wir haben bei Bäumen im Unterstand, dort, wo das Kronendach darüber sehr dicht ist, wo unten wenig Regenwasser ankommt, ebenfalls Zeichen des Absterbens.

Welche Baumarten leiden besonders?

Schäden stellen wir sehr stark fest bei der Buche und der Hainbuche. Ebenso bei Fichten. Mittlerweile auch in der Verjüngung, zum Beispiel beim Bergahorn.

Sehen Sie Absterbe-Erscheinungen auch bei den großen Bäumen?

Wenn man genau hinschaut, sieht man diese bei fast allen Baumarten. Je nach Baumart sind es einzelne Äste oder auch schon ganze Kronenteile, die jetzt laubfrei sind. Und laubfrei bedeutet im August in aller Regel: abgestorben.

Hat der Regen Ende August Linderung gebracht?

Linderung bringt er auf jeden Fall. Allein schon dadurch, dass die Temperaturen sinken und erst mal Regenwasser verdunstet statt Wasser aus Blättern, das die Bäume selbst verdunsten. Für eine nachhaltige Besserung bräuchten wir aber noch wochenlang Regen. Erst wenn es mal mindestens zehn oder 20 Liter regnet, kommt Wasser im Wald auch am Boden an und dringt in tiefere Schichten ein.

Wenn im Hochsommer Blätter braun vom Baum fallen: Was heißt das für den Baum-Organismus?

Wenn der Baum statt im Herbst jetzt schon im August sein Laub abwirft, dann sind weder die Früchte reif noch ist das nachwachsende Holz ausgereift und ausreichend durchgehärtet. Auch die Knospen für den Neuaustrieb sind noch nicht alle angelegt oder nicht ausreichend Photosynthese-Produkte für das Austreiben im Frühjahr eingelagert. Der Baum steht auf Sparflamme und versucht sich durchzuhangeln. Geschwächte Bäume sind anfälliger für Pilze und Schadinsekten.

Die Förster haben zuletzt auch im Stadtwald trockenheitsstabilere Baumarten gepflanzt. Wie kommen diese mit der Hitze zurecht?

Es sind vor allem Eiche, Elsbeere und Speierling, die wir im Hinblick auf Trockenheit gepflanzt haben. Diese scheinen als Jungbäume erst einmal ganz gut durchzukommen. Wir hatten aber auch Ausfälle in gepflanzten Kulturen, wo bis zu 50 Prozent oder mehr ausfiel, je nachdem, wann im Frühjahr die Trockenphase einsetzte. Da waren Wurzeln noch nicht in die Tiefe ausgebildet. 

Das Ausmaß an Trockenschäden wird erst im nächsten Jahr richtig sichtbar.Haben Sie Hoffnung, dass Heilbronn nicht so stark betroffen sein wird – durch einen guten Baumarten Mix?

Wir wissen noch nicht genau, inwiefern die Buchen, die jetzt stark betroffen sind, im Frühjahr wieder austreiben oder sich vielleicht regenerieren können. Wir haben im Stadtwald über 40 Baumarten. Da besteht eine gewisse Hoffnung, dass einige dabei sind, die sich als widerstandsfähig erweisen. Und: Auch bei der Naturverjüngung, wenn junge Bäume vor Ort aus Samen älterer Bäume nachwachsen, haben wir Hoffnung, dass die jüngere Generation sich besser an Trockenheit anpasst und das Wurzelsystem sich gleich tiefer ausprägt, um an Wasser zu gelangen.

Wie reagiert die Forstabteilung, um den Wald besser aufzustellen gegen Hitze und Trockenheit?

Wir setzen beim Nachpflanzen möglichst viel auf heimische und trockenheitstolerante Baumarten. Beim Laubholz sind es Eiche, Speierling und Elsbeere, beim Nadelholz könnte die Eibe gut zurechtkommen. Es ist immer auch die Frage, was leisten Baumarten langfristig wirtschaftlich in der Holzproduktion? Wir sind auch im Sinne der Nachhaltigkeit darauf angewiesen, Holz als nachwachsenden Rohstoff zu produzieren. Aus ökologischen Gründen bleiben wir weitestgehend beim heimischen Baumartenspektrum und bringen nur sporadisch Exoten aus anderen Weltregionen ein.

Können Waldbesucher etwas tun oder unterlassen, womit sie den Waldbäumen helfen? 

Die Waldbrandgefahr ist in solch trocken-heißen Zeiten wie zuletzt extrem hoch. Von März bis Oktober gilt ein generelles Rauchverbot im Wald. Und wenn wir Grillstellen sperren, tun wir das aus gutem Grund. Der Funkenflug ist einfach zu gefährlich, wenn ringsherum nur noch dürres Laub und dürre Streu liegen. Jedes offene Feuer ist dann verboten. Dann darf man auch nicht neben der Grillstelle seinen privaten Grill aufbauen.

ZUR PERSON: Immanuel Schmutz (54) stammt aus Bad Urach, hat Forstwissenschaften in Freiburg studiert. Seit 2012 ist er Leiter der Forstabteilung bei der Stadt Heilbronn mit den zwei Forstrevieren West und Ost.