Investieren und Zukunft sichern - Doppelhaushalt 2027/2028 eingebracht

Für die beiden Haushaltsjahre sind Investitionsauszahlungen von insgesamt rund 273 Millionen Euro vorgesehen: 133,5 Millionen Euro im Jahr 2027 und 139,4 Millionen Euro im Jahr 2028. Gleichzeitig weist der Entwurf ein negatives Gesamtergebnis von 37,7 Millionen Euro für 2027 und 51,6 Millionen Euro für 2028 aus.
„Heilbronn hat sich eine starke finanzielle Ausgangslage erarbeitet. Damit das so bleibt, müssen wir jetzt Prioritäten setzen. Wir wollen handeln, solange wir selbst entscheiden können, wo wir Schwerpunkte setzen“, sagt Oberbürgermeister Harry Mergel. „Wir werden nicht alles gleichzeitig verwirklichen können. Entscheidend ist, dass wir die Investitionen ermöglichen, die Heilbronn langfristig stark machen und auch kommenden Generationen finanzielle Spielräume erhalten.“
Fünf Schwerpunkte für Heilbronns Zukunft
Aus den Entwicklungen der vergangenen Jahre, den Initiativen des Gemeinderats und den anstehenden Aufgaben leitet Oberbürgermeister Harry Mergel fünf Schwerpunkte ab: einen starken Wirtschaftsstandort, Heilbronn als Bildungs- und Wissensstadt, eine leistungsfähige Daseinsvorsorge und attraktive Infrastruktur, eine nachhaltige Stadtentwicklung sowie eine moderne und leistungsfähige Verwaltung.
Im Haushaltsentwurf finden sich dafür unter anderem Mittel für die Innenstadtentwicklung und die Erschließung des IPAI, die neue Grundschule in der Innenstadt und den Neubau der Neckartalschule. Vorgesehen sind außerdem Mittel für die zukünftige Sicherung der Sport- und Freizeiteinrichtungen der nördlichen Innenstadt durch die Planung eines neuen Kombibades, der Eissporthalle und der Rollsporthalle.
Weitere Investitionen fließen unter anderem in die Nordumfahrung Frankenbach, den Ausbau von Fuß- und Radwegen, Brückensanierungen, Hochwasserschutz und Klimaanpassung. Investitionen in Datennetze sowie Hard- und Software sollen die Verwaltung weiter modernisieren.
Warum der finanzielle Spielraum enger wird
Die Entwicklung des Ergebnishaushalts zeigt zugleich, warum die Stadt ihre Prioritäten stärker gewichten muss. Das Jahr 2025 schloss mit einem Überschuss von rund 12,3 Millionen Euro deutlich besser ab als geplant. Für 2026 wird derzeit jedoch ein Fehlbetrag von rund 58,3 Millionen Euro erwartet.
Wie viele Kommunen steht Heilbronn vor wachsenden Aufgaben und höheren gesetzlichen Anforderungen, während die Finanzierung zusätzlicher Aufgaben durch Bund und Land nicht immer Schritt hält. Gleichzeitig steigen insbesondere die Personal- und Sozialausgaben sowie die Baukosten. Die Erträge können diese Entwicklung zunehmend nicht mehr auffangen.
„Ein leistungsfähiger laufender Haushalt ist die Voraussetzung dafür, dass wir notwendige Investitionen dauerhaft finanzieren können“, sagt Erster Bürgermeister Martin Diepgen. „Nur wenn wir unsere Ausgaben und Einnahmen wieder in ein tragfähiges Verhältnis bringen, können wir notwendige Investitionen auch künftig verlässlich finanzieren. Dazu zählt auch, dass wir bei Vorhaben die Kosten für Betrieb und Unterhalt im Blick behalten.“
Investitionen müssen zunehmend finanziert werden
Nach der Planung entsteht aus der laufenden Verwaltungstätigkeit 2027 ein Zahlungsmittelbedarf von 14,9 Millionen Euro, 2028 von 38,7 Millionen Euro. Der laufende Betrieb erwirtschaftet damit keine Mittel für Investitionen. Für deren Finanzierung sind in beiden Jahren Kreditaufnahmen von insgesamt rund 139 Millionen Euro vorgesehen. Die frei verfügbaren liquiden Mittel gehen voraussichtlich bis Ende 2028 auf rund 41 Millionen Euro zurück.
Konsolidierung bedeutet dabei mehr als Einsparungen bei einzelnen Projekten. Auch Aufgaben, Standards und Abläufe müssen überprüft werden. Digitalisierung und ein verantwortungsvoller Einsatz Künstlicher Intelligenz können dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten und eine Digitalisierungsrendite zu erzielen.
Strategisches Finanzmanagement gibt den Rahmen vor
Stadtverwaltung und Gemeinderat haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Im März 2026 beschloss der Gemeinderat das Projekt „Strategisches Finanzmanagement für eine zielorientierte und nachhaltige Stadtentwicklung 2025–2029“.
Gemeinsam mit der Verwaltung berät der Gemeinderat darin, wie sich das strukturelle Defizit verringern und das Investitionsprogramm mit den finanziellen und personellen Möglichkeiten der Stadt in Einklang bringen lässt. Ziel ist es, die finanzielle Handlungsfähigkeit Heilbronns langfristig zu sichern und gleichzeitig dort investieren zu können, wo es für die weitere Entwicklung der Stadt besonders wichtig ist.
Wo Heilbronn 2027 und 2028 unter anderem investiert
Zu den größeren im Doppelhaushalt vorgesehenen Investitionen gehören:
- Bildung: 12 Millionen Euro für den Neubau der Neckartalschule, 8,5 Millionen Euro für die neue Grundschule in der Innenstadt und 6 Millionen Euro für die Erweiterung der Heinrich-von-Kleist-Realschule.
- Kinderbetreuung: 4 Millionen Euro für die Erweiterung der Tageseinrichtung für Kinder in der Nussäckerstraße und rund 4,2 Millionen Euro für die Erweiterung des Kindergartens der Becker-Franck-Stiftung im Badener Hof.
- Innenstadt: rund 4,2 Millionen Euro für Maßnahmen im Sanierungsgebiet Innenstadt und weitere 1,5 Millionen Euro für Baumaßnahmen im Sanierungsgebiet Wollhausplatz III.
- Verkehr: 22 Millionen Euro für die Nordumfahrung Frankenbach und 6 Millionen Euro für den Abschnitt der Neckartalstraße zwischen Neckargartacher Brücke und Autobahn.
- Radverkehr und Energie: 5,8 Millionen Euro für den Fuß- und Radweg auf der Bottwarbahntrasse sowie 3 Millionen Euro für die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED.
- Feuerwehr und Sicherheit: rund 2,8 Millionen Euro für Feuerwehrfahrzeuge und rund 3,5 Millionen Euro für Geräte und Maschinen der Integrierten Leitstelle.
- Sport und Freizeit: 5,75 Millionen Euro für Sportstätten und deren Außenanlagen sowie eine Million Euro für die Umgestaltung von Spiel-, Bolz- und Skateanlagen.
Nach der Einbringung des Haushaltsentwurfs beginnt die Beratung im Gemeinderat. Mitte Oktober wird der Entwurf dem Gemeinderat zunächst ausführlich erläutert, anschließend setzt sich das Gremium im Rahmen einer Klausurtagung intensiv mit dem strategischen Finanzmanagement auseinander. Dabei geht es insbesondere darum, Prioritäten für die kommenden Jahre zu setzen, das strukturelle Defizit zu reduzieren und das Investitionsprogramm an die finanziellen und personellen Möglichkeiten der Stadt anzupassen. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig zu sichern. Bis zum 12. November haben die Fraktionen dann die Gelegenheit ihre Anträge zum Haushalt einzubringen, das bedeutet konkrete Vorschläge für mögliche Anpassungen im Haushalt zu machen. Diese werden anschließend in den jeweils zuständigen Fachausschüssen vorberaten. Am 14. Dezember entscheidet der Gemeinderat dann über die Anträge. Die endgültige Verabschiedung des Doppelhaushalts 2027/2028 ist für den 17. Dezember vorgesehen.
