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Umwelt & Mobilität

Rettungsaktion auf der Waldheide: Hunderte Gelbbauchunken-Kaulquappen gerettet

Ein fast ausgetrockneter Tümpel, ein Eimer, ein Sieb und jede Menge Fingerspitzengefühl: Auf der Heilbronner Waldheide hat die Untere Naturschutzbehörde der Stadt rund 200 Kaulquappen der Gelbbauchunke vor dem Austrocknen gerettet. Die Aktion zeigt, wie wichtig aktiver Artenschutz für eine der seltensten Amphibien Baden-Württembergs ist.

Links schwimmt eine Gelbbauchunken Kaulquappe in trübem Wasser. Rechts schöpft der Auszubildende Adrien Franzen bei einer spontanen Rettungsaktion Wasser und Kaulquappen aus einer austrocknenden Pfütze in einen Eimer.
In einer spontanen Rettungsaktion konnten Auszubildender Adrien Franzen und Naturschützer Wolf-Dieter Riexinger rund 200 bis 300 Gelbbauchunken-Kaulquappen vor dem Austrocknen retten. (Foto: Stadt Heilbronn)

Wenn jeder Tag zählt

Auf den ersten Blick wirkt der kleine Tümpel auf der Waldheide unscheinbar. Doch für die streng geschützte Gelbbauchunke entscheidet sich hier jedes Jahr, ob eine neue Generation heranwachsen kann. Weil in diesem Frühjahr über lange Zeit kaum Regen gefallen ist, drohte genau dieses Laichgewässer innerhalb weniger Tage vollständig auszutrocknen. Für die dort lebenden Kaulquappen hätte das den sicheren Tod bedeutet.

Nachdem ehrenamtliche Naturschützer der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Heilbronn einen Hinweis auf das Austrocknen des Tümpels gegeben hatten, war schnelles Handeln gefragt. Gemeinsam mit dem Auszubildenden Adrien Franzen setzte Naturschutzexperte Wolf-Dieter Riexinger rund 200 bis 300 Gelbbauchunken-Kaulquappen in einen nahegelegenen Tümpel um, der noch ausreichend Wasser führte. Mit einem Sieb und einem Eimer wurden die unterschiedlich großen Kaulquappen vorsichtig aus dem flachen Gewässer geborgen und an ihrem neuen Standort wieder eingesetzt. 

Warum die Gelbbauchunke Hilfe braucht

Die Gelbbauchunke gehört zu den streng geschützten Amphibienarten und gilt sowohl in Baden-Württemberg als auch bundesweit als stark gefährdet. Heilbronn trägt für ihren Erhalt eine besondere Verantwortung. Die Waldheide ist Teil eines europäischen Flora-Fauna-Habitat-Gebiets (FFH-Gebiet), in dem die Gelbbauchunke als sogenannte Zielart geschützt wird. Deshalb setzt die Untere Naturschutzbehörde gezielt Maßnahmen um, um ihren Bestand langfristig zu sichern. 

Dazu gehören vor allem spezielle Laichgewässer. Erst im Frühjahr wurden auf der Waldheide neue Tümpel angelegt. Die Gelbbauchunke bevorzugt flache, vegetationsarme und schlammige Gewässer, die für viele andere Amphibien eher ungeeignet wären. Genau dort kann sie ihre Eier ablegen und ihre Kaulquappen entwickeln. 

Zwischen Natur und Verantwortung

Dass Tümpel austrocknen, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil: Für die Gelbbauchunke kann das sogar ein Vorteil sein. Trocknen Gewässer nach der Entwicklung der Jungtiere aus, verschwinden gleichzeitig Fressfeinde wie Libellenlarven oder Fische. Problematisch wird es erst dann, wenn das Wasser bereits verschwindet, bevor sich die Kaulquappen vollständig entwickelt haben. Genau das war in diesem Jahr der Fall. 

Wolf-Dieter Riexinger betont deshalb, dass solche Rettungsaktionen Ausnahmen bleiben. Die Natur funktioniere grundsätzlich nach ihren eigenen Regeln. Wenn außergewöhnlich lange Trockenphasen jedoch eine komplette Generation gefährden, könne ein Eingreifen sinnvoll sein, um den Bestand einer streng geschützten Art zu sichern. 

Artenschutz mit einfachen Mitteln

Für die Rettungsaktion brauchte es keine aufwendige Technik. Ein Eimer, ein Sieb und viel Geduld reichten aus, um Hunderte Kaulquappen vorsichtig umzusetzen. Die Tiere befanden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, da Gelbbauchunken ihre Eier nicht nur einmal im Jahr, sondern immer dann ablegen, wenn nach Regen geeignete Gewässer entstehen. Diese besondere Strategie hilft der Art normalerweise dabei, wechselnde Bedingungen auszugleichen. Bleiben Niederschläge jedoch über längere Zeit aus, geraten selbst gut angepasste Arten an ihre Grenzen. 

Die erfolgreiche Rettungsaktion zeigt, wie wichtig kontinuierlicher Naturschutz direkt vor Ort ist. Oft sind es kleine Maßnahmen, die einen großen Unterschied machen und dazu beitragen, seltene Arten auch für kommende Generationen in Heilbronn zu erhalten.