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Bildung & Wissen

Gedenkmural auf der Theresienwiese erinnert an NSU-Opfer

Ein großflächiges Wandgemälde auf der Heilbronner Theresienwiese erinnert an die zehn Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Elf Jugendliche haben das Kunstwerk gemeinsam mit dem Heilbronner Künstler Natalis Lorenz gestaltet. Mit Farben, Formen und einer besonderen Symbolik setzen sie ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen, gegen Rassismus und für ein respektvolles Miteinander.

Am Gedenkmural: Polizisten und Besucher gedenken den Opfern der NSU am Eröffnungstag (Foto: Stadt Heilbronn)
Am Gedenkmural: Polizisten und Besucher gedenken den Opfern der NSU am Eröffnungstag (Foto: Stadt Heilbronn)

Ein Ort, der Erinnerung trägt

Die Theresienwiese ist für viele Heilbronnerinnen und Heilbronner ein Ort für Feste und Veranstaltungen. Doch mit ihr verbindet sich auch eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Stadtgeschichte. Am 25. April 2007 erschossen Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) hier die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter. 
Ihr Kollege überlebte den Anschlag schwer verletzt. Zuvor hatte der NSU zwischen 2000 und 2006 neun weitere Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Eine Gedenktafel erinnert an die zehn Opfer. Das großflächige Wandgemälde ergänzt diesen Erinnerungsort und lädt dazu ein, sich mit den Verbrechen und ihren Folgen auseinanderzusetzen.

Zur offiziellen Einweihung des Gedenkmurals kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf der Theresienwiese zusammen. Landtagspräsident Thomas Strobl und Oberbürgermeister Harry Mergel würdigten das Kunstwerk und seine Bedeutung für die Erinnerungskultur. Der Heilbronner Künstler Natalis Lorenz und beteiligte Jugendliche stellten das Wandbild und seine Symbolik vor.

 

Persönliche Verbindung: Auch die Heilbronner Polizei war bei der Eröffnung des Gedenkmurals zahlreich vertreten im Gedenken an die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter sowie der restlichen Opfer. (Foto: Stadt Heilbronn)

Persönliche Verbindung: Auch die Heilbronner Polizei war bei der Eröffnung des Gedenkmurals zahlreich vertreten im Gedenken an die ermordete Polizistin Michèle Kiesewetter sowie der restlichen Opfer. (Foto: Stadt Heilbronn)

 

 

Elf Jugendliche, zwölf Farben und zehn Schicksale

In einem Workshop beschäftigten sich elf Schülerinnen und Schüler aus Heilbronn und der Region unter der Leitung von Natalis Lorenz intensiv mit den NSU-Morden. Dabei ging es um die Schicksale der Opfer, um Rassismus und Ausgrenzung, aber auch um demokratische Grundwerte, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander. Aus den Gesprächen und Gedanken der Jugendlichen entwickelte die Gruppe ein gemeinsames Gestaltungskonzept.

Die Anfangsbuchstaben der Nachnamen aller zehn Mordopfer bilden die Grundlage des Wandbildes und verteilen sich über die Fassade. Auch die Farben haben eine symbolische Bedeutung: Die zwölf Farbtöne orientieren sich an den Hautfarben der elf Jugendlichen und des Künstlers. Sie stehen für die Vielfalt der beteiligten Menschen und das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft. Innerhalb von vier Tagen verwandelte die Gruppe die zuvor mit Graffiti und Schriftzügen versehene Fassade in einen Ort des Gedenkens.

Die Schülerinnen und Schüler erklärten, wie dieses Mural entstanden ist und dass beispielsweise die Farben eine deutende Verbindung zu sich selbst aber auch zu den Mordopfern hat. (Foto: Stadt Heilbronn)

Die Schülerinnen und Schüler erklärten, wie dieses Mural entstanden ist und dass beispielsweise die Farben eine deutende Verbindung zu sich selbst aber auch zu den Mordopfern hat. (Foto: Stadt Heilbronn)

 

 

Ein Kunstwerk, das sich weiterentwickelt

Das Gedenkmural ist bewusst als veränderbares Kunstwerk angelegt. Sollten neue Schmierereien auftauchen, sollen diese erneut übermalt werden. Auf diese Weise kann sich die Gestaltung im Laufe der Zeit verändern. Dahinter steht der Gedanke, dass der Einsatz gegen Hass, Hetze und Ausgrenzung eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe ist.

Das Wandbild ist Teil des Ausstellungsprojekts „Beyond Graffiti – Neue Bilder“, einer gemeinsamen Initiative des Künstlerhauses Heilbronn und der CULTURE MOVE Kulturförderung Heilbronn. Neben einer Ausstellung im Künstlerhaus entstanden im Rahmen des Projekts insgesamt sieben großflächige Wandbilder im Heilbronner Stadtraum. Auf der Theresienwiese erhält die Kunst eine besondere Rolle: Sie macht Geschichte im öffentlichen Raum erfahrbar und bringt die Perspektiven junger Menschen ein.