Die Brezelbude, die Schule macht

Die Brezel ist oft schnell gegessen. Die neue Brezelbude auf dem Schulhof der Fritz-Ulrich-Schule zeigt jedoch, dass hinter einem kleinen Bauwerk große Ideen stecken – für Gemeinschaft und nachhaltiges Bauen. Als Pilotprojekt für zirkuläres Bauen besteht ihre Trag- und Unterkonstruktion aus wiederverwendetem Holz der Alten Kelter. Mit ihrer integrierten Sitznische lädt sie zugleich zum Verweilen ein – zum Plaudern, Lachen oder einfach zum Zusammensitzen. So ist ein architektonisch durchdachter Treffpunkt entstanden, der den Schulalltag bereichert.
Verantwortlich für den Entwurf ist der duale Architekturstudent Leshao Fuchs. Im Rahmen seines Praxisprojekts bei der Stadt Heilbronn entwickelte er die Brezelbude gemeinsam mit der Abteilung Schulbau des Gebäudemanagements. Die bauliche Umsetzung übernahm anschließend das Betriebsamt. Für den jungen Planer wurde damit aus einer Studienaufgabe ein Bauwerk, das heute täglich von Schülerinnen und Schülern genutzt wird.
Brezelbude ist mehr als ein Verkaufsstand
„Ich wollte einen Ort schaffen, der mehr ist als ein Verkaufsstand. Die Brezelbude sollte die Menschen zusammenbringen – einen Platz bieten, an dem man sich gerne trifft und auch nach dem Brezelkauf noch einen Moment bleibt“, erklärt Leshao Fuchs seine Idee. Dieser Gedanke zieht sich durch den gesamten Entwurf. Während der Pausen werden hier Brezeln und weitere Backwaren verkauft. Gleichzeitig schützt der überdachte Standort unterhalb des Lehrerzimmers vor Wind und Wetter. Die gegenüber dem Verkaufstresen integrierte Sitznische schafft Raum für Begegnungen und macht die Brezelbude zu einem festen Treffpunkt auf dem Schulhof.
Hinter der klaren Gestaltung steckt viel Detailarbeit. „Die Rundung der Brezelbude war anfangs gar nicht geplant“, sagt Fuchs mit Blick auf die rund anderthalbjährige Planungs- und Entwicklungsphase. „Sie sorgt heute dafür, dass sich beim Anstehen der Schülerinnen und Schüler ein organischer Fluss zurück auf den Pausenhof ergibt.“ Gerade diese weiche Form verleiht dem kleinen Bauwerk seinen besonderen Charakter. Für Fuchs wirkt die Brezelbude „eher wie ein Möbelstück in einem Wohnzimmer“ – funktional und zugleich ein gestalterischer Blickfang.
Pilotprojekt für zirkuläres Bauen
Das wiederverwendete Holz stammt aus der Alten Kelter, die derzeit der neuen Innenstadtgrundschule weicht. Ursprünglich hatte Leshao Fuchs vorgesehen, Holz aus einer alten Scheune in Kirchhausen zu verwenden. Beim Zuschnitt zeigte sich jedoch, dass zahlreiche Nägel in den Balken eine Weiterverarbeitung erschwerten. Mit dem Holz der Alten Kelter fand das Projekt schließlich ein geeignetes Spenderbauwerk. So erhielten vorhandene Materialien ein zweites Leben – ressourcenschonend und zugleich gestalterisch anspruchsvoll. „Zirkuläres Bauen bedeutet, mit dem zu arbeiten, was bereits vorhanden ist. Das verlangt manchmal Flexibilität – aber genau das macht den Reiz aus. Wenn aus altem Holz ein neues Gebäude entsteht, erzählt es seine Geschichte weiter“, sagt Fuchs.
Zudem zeigt die Brezelbude, dass gute Architektur nicht von der Größe eines Bauwerks abhängt. Dass dieser Ansatz überzeugt, bestätigt auch die Architektenkammer Baden-Württemberg: Beim Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen“ würdigte die Jury die Brezelbude als „kleinen Bau mit großer Wirkung“.
Hintergrund
Im dualen Studiengang Architektur an der DHBW Lörrach wechseln sich Theoriephasen und Praxiseinsätze ab. Als dualer Partner bietet die Stadt Heilbronn Studierenden die Möglichkeit, im Gebäudemanagement an realen Bauprojekten mitzuwirken – von der ersten Entwurfsskizze bis zur Umsetzung. Die Brezelbude auf dem Schulhof der Fritz-Ulrich-Schule zeigt, wie aus einem studentischen Praxisprojekt ein dauerhaftes Bauwerk für die Stadt entstehen kann.



