Wo Lesehilfe bei Kindern spürbar ankommt

Für Dr. Wiebke Rohrer sind sie „ein Wahnsinnsschatz“. 130 Vorlesepatinnen und -paten sind über den Freundeskreis der Stadtbibliothek das ganze Jahr über im Einsatz, gehen vor allem in Kitas und an Schulen, um Kindern vorzulesen. „Sie erreichen auch die Kinder, denen zu Hause nicht vorgelesen wird“, sagt die Leiterin des Fachbereichs Kinder der Stadtbibliothek.
„Geschichten helfen, die Persönlichkeit auszubilden.“
Dr. Wiebke Rohrer
Lesen ist eine zentrale Kompetenz, die auch den schulischen Erfolg maßgeblich beeinflusst. In der Dammgrundschule kommen gleich vier Vorlesepaten regelmäßig in Klassen und lesen Schülerinnen und Schülern vor, deren Familien zu 90 Prozent aus dem Ausland stammen. Lesen gehört bei ihnen oft nicht zum Alltag. „Es ist wichtig für die Kinder zu sehen, dass es schön ist, wenn jemand eine Geschichte vorliest“, erklärt Konrektorin Denise Munz. Es gehe darum, Neugier zu wecken, selbst etwas zu lesen.
Mit selbst gemalten Bildern beschenkt
Seit acht Jahren ist Bernd Philipp Vorlesepate an der Schule. Immer freitags besucht er die Sprachklasse I, in der die Jungen und Mädchen noch nicht so gut Deutsch können und erst in Klasse 2 in die Regelklasse integriert werden. Freudig begrüßen die Kinder den Rentner, hören dann gebannt zu. Heute liest er aus dem Märchenbuch „Die Bremer Stadtmusikanten“ langsam vor, maximal 15 Minuten, um die Kinder nicht zu überfordern. Er zeigt auch immer wieder große, farbige Bilder im Buch in die Runde, um das Verstehen zu fördern.
Philipp erzählt von Geschenken, die er schon von den Jungen und Mädchen bekam, selbst gemalten Bildern mit schönen Landschaften oder ein Porträt von ihm. „Sie haben seit September schon einige Fortschritte gemacht“, weiß er aus den Gesprächen. Und auch die Klassenlehrerin ist froh über den Besuch des Lesepaten. „Die Kinder freuen sich jedes Mal.“
Seit 2003 gibt es den Freundeskreis. Seitdem haben die Vorlesepaten rund 4000 Einsatzstunden geleistet. Etwa einmal im Monat gehen zum Beispiel die Dammschulklassen in die Stadtbibliothek. Und nicht selten leihen die Kinder sich Bücher mit jenen Geschichten aus, „die ihnen jemand vorgelesen hat“, berichtet die Konrektorin. Ein klares Zeichen, dass die ehrenamtliche Lesehilfe fruchtet.

Wer liest, kann sich besser in andere hineinversetzen
Die Bedeutung des Lesens reicht weiter. Auch für die Entwicklung der Kinder sei Lesen eine zen-trale Komponente, betont Fachbereichsleiterin Wiebke Rohrer. „Geschichten helfen, die Persönlichkeit auszubilden.“ Studien hätten zudem gezeigt, dass Menschen, die viel lesen, empathischer sind. „Weil Lesen die Fähigkeit steigert, sich in andere hineinzuversetzen.“ Ihr Rat: Ab einem Alter von drei Jahren sollte man Kindern vorlesen - „besser früher“.
INFO: Kontakt zu den Vorlesepaten per Mail unter vorlesepaten@lesen-hoeren-wissen.de oder Telefon 0151 474 10271.
Hoher Kinderanteil
Die Stadtbibliothek Heilbronn hat bei jungen Nutzenden sehr gute Werte: 2025 gab es insgesamt 17.600 aktive Nutzer und Nutzerinnen, davon rund 7300 Kinder bis zwölf Jahre – das sind 41 Prozent. Von den 583.000 Ausleihen erfolgten im Vorjahr rund 40 Prozent auf Konten von Kindern.



