Täglich rollen hier Güter: Die Hafenbahn ersetzt rund 32.500 Lkws im Jahr

„Für die Firmen ist die Hafenbahn ein sehr wichtiger Standortfaktor. Unternehmen wie die Südwestdeutschen Salzwerke oder RUZ Recycling richten ihre Logistik darauf aus“, stellt Ronald Kipshoven fest, Leiter der Industrie- und Hafenbahn bei den Stadtwerken Heilbronn.
Rund 1,3 Millionen Tonnen Materialien werden über die Hafenbahn im Schnitt pro Jahr befördert. Umgerechnet ersetzt die Bahn damit 32.500 Lastwagen, die im Jahr nicht durch die Stadt fahren - eine spürbare Entlastung auf den Straßen und auch in der CO2-Bilanz.Salz, Kohle, Stahl, Chemikalien, Kraftstoffe, Sande, Kies, Schotter, Schrott oder Zuckerrüben werden auf der Industrie- und Hafenbahn befördert. Aber auch große Transformatoren, Container oder Autoteile wie Karosserien und Motoren werden transportiert.



Auf kleine Rangierloks wird umgekoppelt
Die Stadtwerke betreiben die Bahn seit 2014, halten Gleise und Technik instand, haben aber keine eigenen Züge. Bis Ende 2025 haben die Stadtwerke über sieben Millionen Euro in die Infrastruktur der Industrie- und Hafenbahn investiert. Zuvor waren die HVG und das Hafenamt die Betreiber.
Zugelassene Verkehrsunternehmen können die Nutzung der Gleise gegen eine Gebühr anmelden – und dann mit Rangierloks die Waggons an den Zielort fahren. Im Rangierbahnhof in Böckingen werden die Züge auf kleinere Loks umgekoppelt und rollen mit maximal Tempo 20 über die Gleise der Hafenbahn. Die Schienenfahrzeuge haben im Hafengebiet Vorrang und Lokführer stellen an Kreuzungen ihr Signal auf „Grün“ – bisher noch mit einem speziellen Schlüssel am Rand der Gleise. Für die Zukunft ist geplant, vor den Kreuzungen Schlagschalter anzubringen, damit Rangierführer direkt von der Lok aus auf Grün stellen können. Es würde das Stoppen und Anfahren überflüssig machen, Zeit und Treibstoff einsparen.
Bei Spezialtransporten werden auch mal Hafenbahn-Mitarbeiter als Begleiter dazugebucht. Ein solcher war zum Beispiel der Transport einer historischen Dampflok aus einem Museum im Dezember 2021. „Die Route führte quer durch den Hafen zum Schwergutkai im Osthafen“, erinnert sich Michael Weller, Sachgebietsleiter der Bahninfrastruktur. Per Schiff ging es für die Dampflok weiter.
Kamera und Blitzer erfassen jeden Waggon
Die EnBW mit dem Kraftwerk, die Salzwerke, Thyssen Krupp, RUZ, Total, Brüggemann, das Containerterminal sind wichtige Kunden der Industrie- und Hafenbahn. „Wir sind noch nicht an der Kapazitätsgrenze“, betont Kipshoven. Der Schwerpunkt des Umschlags liegt auf der letzten Meile zu den Firmen, danach beim Wechsel Lkw/Zug. Der Umschlag Zug/Schiff ist gering. „Ein Ausbau der Neckarschleusen kann hier mehr Transporte bringen“, ist Kipshoven überzeugt.
Jede Fahrt auf der Hafenbahn wird an der Waggonerfassungsanlage registriert - mit Waggonnummer, Länge, Achsen und Uhrzeit. An einer Säule auf dem Zufahrtsgleis sind eine Kamera und Blitzlichter integriert, die beim Durchfahren der Züge bei jedem einzelnen Waggon auslöst.
INFO: 1890 wurde die Industriebahn im Kleinäulein in Betrieb genommen. Die Hafenbahn im neuen Heilbronner Hafen startete 1935 mit ersten Fahrten. Mit dem Bau der Hafenbahnbrücke kam es 1956 zum Zusammenschluss zur Industrie- und Hafenbahn.



