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Leben & Soziales

25 neue Stolpersteine gegen das Vergessen gesetzt

Vor Häusern, an denen Menschen einst lebten, gearbeitet und ihren Alltag verbrachten, erinnern in Heilbronn seit Freitag 25 weitere Stolpersteine an Opfer des Nationalsozialismus. An insgesamt sieben Stationen in der Innenstadt und im Heilbronner Osten gedachten Angehörige, Schülerinnen und Schüler, Vertreterinnen und Vertreter der Stadt sowie zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Menschen hinter den Namen.

Weiße Blume liegt neben neu verlegten Stolpersteinen in Heilbronn die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern eingebettet im Gehweg einer Straße
Stolpersteine laden dazu ein, gemeinsam zu erinnern und Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. (Foto: Stadt Heilbronn)

Die Stolpersteine sind Teil des europaweiten Kunstprojekts des Künstlers Gunter Demnig und erinnern in Heilbronn bereits seit 2009 an Bürgerinnen und Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden.

Erinnern beginnt vor der eigenen Haustür

Der Auftakt der Stolpersteinverlegung fand in der Bruckmannstraße 28 statt. Dort erinnern neue Stolpersteine an Josef, Erna und Otto Kahn. Besonders bewegend: Angehörige der Familie Kahn reisten extra aus San Francisco nach Heilbronn, um an der Zeremonie teilzunehmen. 

Dr. Richard Mössinger vom Runden Tisch Stolpersteine begrüßte die Gäste und betonte die Bedeutung des Erinnerns.  

Erinnerung als gemeinsame Verantwortung

Bürgermeisterin Agnes Christner sprach in ihrem Grußwort über die Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten. Mittlerweile erinnern in Heilbronn 241 Stolpersteine an 92 Orten an Opfer des Nationalsozialismus. Mit den nun verlegten Steinen kamen weitere Namen und Lebensgeschichten hinzu. 

Besonders dankte sie den Schülerinnen und Schülern, die sich intensiv mit den Biografien der Opfer beschäftigt hatten. Gerade junge Menschen würden dazu beitragen, dass die Geschichten hinter den Namen nicht verloren gehen. Erinnerung sei heute Aufgabe und Verantwortung der Gegenwart. 

Bewegende Geschichten hinter den Namen

Im Anschluss stellten Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums die Lebensgeschichten von Josef, Erna und Otto Kahn vor. Sie berichteten vom Leben der Familie in Heilbronn, von der erfolgreichen Zigarrenfabrik, von Entrechtung, Verfolgung und schließlich der Flucht in die USA. 

Besonders emotional wurde es, als Nachfahren der Familie Kahn selbst das Wort ergriffen. Michael Kahn beschrieb die Verbindung seiner Familie zu Heilbronn als Teil ihrer eigenen Geschichte. Seine Familie sehe sich nicht als Opfer der Vergangenheit, sondern verstehe Erinnerung als Möglichkeit, aus der Geschichte zu lernen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. 

Auch Harold Kahn sprach über die Bedeutung dieses Tages für seine Familie. Das ehemalige Wohnhaus seiner Großeltern stehe für Erinnerungen, Zugehörigkeit und ein Leben, das durch Ausgrenzung und Intoleranz zerstört wurde. Gleichzeitig betonte er, wie wichtig ehrliche Erinnerungskultur und gemeinsames Lernen aus der Vergangenheit seien. 

Sieben Stationen in Heilbronn

Im Laufe des Tages wurden Stolpersteine an insgesamt sieben Orten verlegt. Neben den Stolpersteinen für die Familie Kahn in der Bruckmannstraße   wurden Stolpersteine für Philipp, Elsa, Traute und Ingeborg Rypinski in der Weinsberger Straße 7 verlegt. Schülerinnen und Schüler begleiteten die Verlegung dort mit einem Lied für Philipp Rypinski.

In der Wolfganggasse 23/1, heute Wolfganggasse 13, erinnern die Stolpersteine an Marie, Nachmann und Leon Gersinski sowie an Dina und Bernhard Mangel. In der Unteren Neckarstraße 14 wurde an Chajem und Pauline Schiffer erinnert.

Weitere Stolpersteine wurden in der Kramstraße 18, heute Kramstraße 6, für Hermann, Emma, Max, Lieselotte, Sigmund und Selma Stobezki verlegt. In der Mozartstraße 10 erinnern die neuen Steine an Ludwig, Hermine, Alice „Liesel“ und Helmut Rosenthal.

Die letzte Station befand sich in der Mainhardter Straße 3. Dort wurde ein Stolperstein für den Widerstandskämpfer Walter Vielhauer gesetzt.

Zeichen gegen das Vergessen

Die Stolpersteine machen Geschichte im Alltag sichtbar. Sie erinnern mitten in der Stadt an einzelne Menschen, ihre Geschichten und ihr Schicksal. Jeder Stein trägt einen Namen und steht stellvertretend für ein Leben, das durch den Nationalsozialismus geprägt oder zerstört wurde.

Mit jeder neuen Verlegung wächst in Heilbronn nicht nur die Zahl der Stolpersteine, sondern auch die sichtbare Erinnerung an die Verantwortung, Demokratie, Menschlichkeit und Zusammenhalt zu schützen.

Eine Übersicht aller Stolpersteine in Heilbronn finden Sie auf der Website des Stadtarchivs Heilbronn.